Sonntag, 3. September 2017

{Rezension} Wähle und zahle den Preis - Cynthia Green

Wähle und zahle den Preis
Cynthia Green

Roman
192 Seiten

Verlag: Eigenverlag
Taschenbuch € 9.99
ebook € 2,99

Erscheinungsdatum: 30. Oktober 2016

"Aber ich fragte mich, was es für den Schauspieler bedeutet, immer wieder - ohne schützende Distanz - diese desaströsen Gemütszustände durchleben zu müssen."



Der Klappentext

 

Cynthia Green studiert Kunst. Sie ist talentiert und durchsetzungsstark. In ihrer ersten Fotoarbeit stellt sie spannungsgeladen zwei Positionen gegenüber: Intimoperationen und Genitalverstümmelung - einerseits die grenzenlose Sucht nach Schönheit, die keine Tabus kennt, andererseits das grausame Ritual, welches auch heute noch in vielen Ländern an Frauen und Mädchen durchgeführt wird. Es kommt zu einem Skandal und Cynthia Green erscheint von jetzt auf gleich auf dem Radar der internationalen Kunstszene. Noch während diese Ausstellung weltweit gezeigt wird, plant Cynthia bereits ihr zweites Kunstprojekt. Die Zusammenarbeit mit einem Kunstfälscher bringt sie dabei an ihre Grenzen. Und auch ihr Privatleben wird kräftig durcheinander gewirbelt: Zunächst erlebt sie mit dem Musiker Baptiste paradiesische Tage und Nächte, dann verliebt sie sich in Alexander, der um einiges jünger ist als sie …



Meine Meinung

 

Ich fand Cynthia als Ich-Erzählerin sehr passend. Sie verwob ihre eigene Geschichte gekonnt mit Anspielungen auf Kunst, Film und Literatur, was ein großer Genuss für mich war. Selbst wenn man manche Werke nicht kennt, verstand man trotzdem, was sie einem sagen wollte - und war im Nachhinein erpicht darauf, einen Blick auf das zu werfen, was sie einem schmackhaft machte. Es war erfrischend, ihr zuzuhören und ihr durch einen wichtigen Abschnitt ihrer Karriere und ihres Liebeslebens zu folgen.

Auch die Nebencharaktere waren interessant und es war spannend, mit welchen illustren Gestalten Cynthia (und ihre Hündin 'My Hair Lady') zusammentrafen. Entgegen der Intentionen der Autorin habe ich sogar Max Regner trotz seiner merkwürdigen Art tiefer in mein Herz geschlossen als etwa Baptiste oder Alexander. Das Geplänkel zwischen Max und Cynthia empfand ich als höchst verdächtig, ob da nicht doch mehr hinter der irren, zynischen Maske steckt, die Max trägt.

Mit Neugier verfolgte ich auch, wie die Umwelt Cynthias Kunst wahrnahm und wie diese die Protagonistin selbst beeinflusste und ihren Charakter wachsen ließ.
Manch andere Rezensenten des Buches bemängelten das schnelle Ende, aber ich fand es perfekt gewählt. Es wurde alles gesagt, was man als Leser noch wissen musste. Darüber hinaus betonte das Ende, dass Cynthias Karriere gerade erst losgeht. Wir durften an einem kleinen Abschnitt, ihrem Anfang, teilhaben. Den Rest des Weges geht sie ohne uns, aber dennoch mit Zuschauern - den Kunstinteressierten. Natürlich war auch mir das Ende in jener Weise zu früh da, als ich ja noch ein Weilchen länger in Cynthias Gedanken verbringen wollte - ein Kompliment an die Autorin also. Es ist immer gut, die Leser nach mehr verlangen zu lassen. Das ist hier gelungen.

Cynthias wild eingestreute, aber niemals chaotische Gedanken regten einen zum Nachdenken und Grübeln an, und besonders berührt hat mich ein Zitat zum Method Acting, bei dem Schauspieler dazu angehalten werden, aus ihrer eigenen Vergangenheit Schmerz, Lust, Wut und so vieles mehr zu schöpfen, um authentisch zu sein. Da ich selbst in einem ähnlichen Bereich arbeite, habe ich mich von Cynthia sehr verstanden gefühlt:

"Aber ich fragte mich, was es für den Schauspieler bedeutet, immer wieder - ohne schützende Distanz - diese desaströsen Gemütszustände durchleben zu müssen."

Alles in allem war 'Wähle und zahle den Preis' ein gelungener Roman, den man gelesen haben sollte - und der aus diesem Grund die volle Punktzahl verdient!



Bewertung und mein Fazit zu 'Wähle und zahle den Preis'

 

Ein gelungener Lesegenuss über den Anfang einer vielversprechenden Künstlerkarriere, deren Preis und Mühen, und eine junge Frau, die ihr Herz erst noch verschenken muss und uns auf ihrem Weg einige Denkanstöße zu Gott und der Welt gibt.



Sehr lesenswerter Roman inmitten der Kunstszene!



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