Donnerstag, 31. Januar 2019

{Rezension} Aurora Floyd - Mary Elizabeth Braddon

Aurora Floyd
Mary Elizabeth Braddon

Aurora Floyd / übersetzt von Anja Marschall
Ein viktorianischer Krimi
368 Seiten

Verlag: Dryas
ebook € 6,99
Taschenbuch € 13,00
 
Erstmals erschienen im Jahr 1863
Deutsche Ausgabe: 6. November 2018




Der Klappentext

 

Aurora Floyd, Tochter aus bestem Haus, kehrt von einer Pariser Privatschule zurück nach Felden Woods, dem Landsitz ihres Vaters. Ihr Start ins gesellschaftliche Leben scheint perfekt, doch etwas muss in Paris geschehen sein, über das Aurora nicht reden will. Auch ihrem Verlobten gegenüber verweigert sie die Wahrheit, und so kommt es zum Bruch.
Da wird die Leiche eines Mannes nahe Felden Woods entdeckt und Aurora des Mordes beschuldigt. Ihr Schweigen droht Aurora und der gesamten Familie zum Verhängnis zu werden.


Meine Meinung

 

Seit "Das Geheimnis der Lady Audley" bin ich ein großer Fan von Mary Elizabeth Braddon, die eine wahre Meistern der Feder ist! Allerdings hatte sie mit besagtem Buch ein derart perfektes Lesevergnügen geschaffen, dass "Aurora Floyd" es schwer hatte, da mitzuhalten - und es schließlich nicht ganz geschafft hat.

Mary E. Braddon begeistert einen wie gewohnt mit ihrem unschlagbaren Humor und dem Flair der damaligen Zeit, den sie natürlich als damals Lebende hervorragend rüberzubringen weiß *gg*
Es bleibt stets spannend, weil ständig etwas vor sich geht oder Andeutungen gemacht werden - auch darin ist Braddon eine Meisterin. Sie versteht es, den Leser anzusprechen, ohne ihn aus dem Flow zu bringen. Ihre eingestreuten Bemerkungen lassen einen nur so durch die Seiten fliegen, weil man weiß: Oh Gott, da kommt noch was Großes ...

Jetzt lest ihr mein Lob und fragt euch bestimmt, warum ich dann einen Stern abziehe? Nun, die Charaktere in dieser Geschichte waren nicht so leicht - wenn überhaupt - ins Herz zu schließen wie der junge Anwalt Robert Audley aus dem Geheimnis gleichnamiger Lady. Das wäre bei seinem Charme und Esprit natürlich auch schwer zu erreichen gewesen, aber ich hatte mir dennoch etwas mehr von den Agierenden erhofft als Auroras verbissene Verschwiegenheit, Talbots überstolze Arroganz, Lucys naive Schwärmerei und Johns kindlicher Leichtsinnigkeit. Die Protagonisten hatten zu wenige Facetten ist vielleicht das, was ich ausdrücken will. Jedenfalls hat etwas gefehlt.

Nichtsdestotrotz ist Mary E. Braddon wieder ein wunderbares Stück Literatur gelungen, das man sich zu Gemüte führen sollte. Seien wir ehrlich: Die Frau ist einfach der Wahnsinn! Ihr Schreibstil ist einmalig schön, ihr Witz sehr trocken und doch frech, und in Sachen Spannung macht ihr niemand etwas vor. Also ab nach Felden Woods und wohin euch das Buch sonst noch entführen möchte!

Und lest unbedingt auch "Das Geheimnis der Lady Audley"!
Es ist mein Ernst, Leute. Das ist sooo verdammt gut!



Ein paar Worte zum Autor



Mary Elizabeth Braddon (1837-1915) gilt als erste viktorianische Bestsellerautorin. Kritiker wie Charles Dickens oder Thomas Hardy nannten ihre Werke "brillant, geistreich und lebendig". M. E. Braddon war eine starke Frau, sie ernährte früh ihre gesamte Familie, stand eine Scheidung durch, lebte in skandalös wilder Ehe und schrieb über 80 Romane. Darin thematisierte sie auch gesellschaftlich heikle Themen wie Bigamie, Ehebruch, Abtreibung u.a.







Bewertung und mein Fazit

 

Gekonnt wickelt einen die Autorin mit ihrem Humor und ihrer Art zu schreiben um den Finger, um einen dann mit kleinen, gut eingestreuten Andeutungen bei der Stange zu halten. Trotz etwas einseitiger Charaktere ein schöner Roman, der viel zu bieten hat.


Gewohnt hervorragendes Lesevergnügen einer Meisterin mit kleineren Schwächen.

 

Keine Kommentare:

Kommentar posten