Donnerstag, 8. November 2018

{Rezension} Mord im alten Pfarrhaus - Jill McGown

Mord im alten Pfarrhaus
Jill McGown

Redemption / übersetzt von Barbara Först

Weihnachtskrimi
Band 2 der Reihe um Lloyd & Hill
318 Seiten

Verlag: Dumont
E-Book: 9,99 €
Hardcover: € 18,00

Erscheinungsdatum: 17. September 2018

Nachdem ich ein Liebhaber von Weihnachtskrimis bin, wollte ich mit diesem Roman die Herbstzeit einläuten. Leider bin ich ganz und gar nicht in Stimmung gekommen ...




Der Klappentext


In den Öfen prasseln die Holzscheite, draußen wirbelt großflockiger Schnee − die Bewohner des englischen Örtchens Byford freuen sich auf besinnliche Festtage. Doch mit der Besinnlichkeit ist es nicht weit her: Der heftige Schneefall droht das Dorf von der Außenwelt abzuschneiden und dann versetzt auch noch die Nachricht von einem Mord im Pfarrhaus die Gemeinde in Angst und Schrecken.
Ein Mann wurde erschlagen aufgefunden, die Tatwaffe: ein Schürhaken. Bei dem Opfer handelt es sich um den Schwiegersohn des Pfarrers George Wheeler. Aber weder der Pfarrer noch dessen Frau Marian oder Tochter Joanna wirken sonderlich traurig angesichts ihres Verlusts. Für den ermittelnden Chief Inspector Lloyd und seine Partnerin Sergeant Judy Hill ein kniffliger Fall, denn das Mordopfer war ein gewalttätiger Tyrann, und alle in der Familie scheinen ein Motiv zu haben. Doch wer wäre tatsächlich so kaltblütig?

Diese wunderbare Weihnachtswiederentdeckung ist zugleich eine stimmungsvolle Hommage an das Goldene Zeitalter des britischen Kriminalromans.



Meine Meinung


Ich hatte mich sehr auf den diesjährigen Weihnachtskrimi des Verlages gefreut, weil ich "Ein Mord zu Weihnachten" im letzten Jahr sehr genossen habe. Leider wurde ich total enttäuscht und zwar gleich auf verschiedenen Ebenen. Zum einen gab es zu viele Wechsel in der Perspektive und zu viele Personen, was an sich nicht schlimm gewesen wäre, hier aber schlichtweg nicht gut umgesetzt war. Die Akteure waren recht eindimensional, sodass es schwierig war, sich richtige Menschen darunter vorzustellen, geschweige denn ihre Namen gleich wieder zuordnen zu können. Es wurden einige Liebesverwicklungen eingebaut, aber nicht besonders berührend, sondern eher trocken.

Die Dialoge waren leider oft sehr merkwürdig und nicht im Fluß, als wäre etwas falsch übersetzt worden. Das hat das Lesevergnügen stark geschmälert, weil die Dialoge nun mal wichtig sind. Da wurden zum Beispiel in einem späteren Satz mal angeblich gerissene Witzchen erwähnt, die gar nicht da waren (zumindest im Deutschen nicht). Und wenn jemand auf die direkte Rede eines anderen geantwortet hat, bin ich oft so vor dem Buch gesessen:


Der Fall war spannend und hielt einen trotz den Schwachstellen bei der Stange. Jeder hatte seine eigenen Geheimnisse und machte in seinen Kapiteln Andeutungen, war in irgendeine Sache verstrickt. All das wurde nur nach und nach aufgeklärt, was natürlich die Wissbegierde steigerte. Leider jedoch war mir die Auflösung dann gar zu konstruiert und das Ende war von einer Gefühlskälte durchzogen, die einen das Buch mit einem Kopfschütteln zuklappen ließ. Statt die Geschehnisse zu betrauern, wie man es bei einem anderen Roman tun würde, war man einfach nur sauer. Über die Entwicklungen, das schnelle Abhandeln einer großen Sache und die Gedanken der Charaktere, von denen die meisten fast schon einen Hang zum psychopathischen hatten - natürlich wurde alle Schuld einer einzigen Person zugeschoben, was ... ACHTUNG SPOILER ... besonders schlimm wird, wenn die geschlagene Ehefrau ihren Mann verteidigt, weil der ja nicht anders gekonnt habe, so wie ihre Mutter ihn behandelt hat ... Da konnte man nur fassungslos auf die Zeilen starren.

Alles in allem war "Mord im alten Pfarrhaus" also kein Lesevergnügen und ich kann keine Empfehlung aussprechen. Dazu kommt, dass es im Englischen der zweite Teil einer dreizehnteiligen Serie ist, die sich um das Ermittlerpärchen Lloyd und Hill dreht. Das wurde besonders spürbar, weil man manchmal das Gefühl hatte, etwas versäumt zu haben bzw. auch über das Buch hinaus noch etwas zu versäumen. Zum Beispiel wurde angesprochen, dass Lloyd nie beim Vornamen genannt wurde und dann war eine ganze Szene zwischen ihm und seiner Geliebten einer Unterhaltung über seinen Namen gewidmet. Erfahren hat man ihn letztendlich nie. Es war mir dann aber auch egal, wie der Chief Inspector heißt. Wir werden uns nicht mehr über den Weg laufen.



Ein paar Worte zum Autor



Jill McGown, 1947 im schottischen Campbeltown geboren, arbeitete als Sekretärin, bevor sie sich ganz der Spannungsliteratur verschrieb. Ihre Kriminalromane wurden von Presse und Publikum gleichermaßen begeistert aufgenommen. Jill McGown starb 2007 im englischen Kettering.

 

 

Fun Fact



Es gibt einen Film zu diesem Ermittlerpaar, der meines Glaubens nach das erste Buch umreißt. Anscheinend soll es auch eine Serie gegeben haben, die aber erfolglos wieder abgesetzt wurde. Durch die Recherche zum Film habe ich erfahren, dass in den Büchern Lloyds Vorname niemals rauskam, insofern bin ich nicht mehr ganz so angepisst. Im Film und in der Serie bekam er den Namen Danny ... Was wenig Sinn macht *lach*





Die Alternative

 

http://www.dumont-buchverlag.de/buch/duncan-mord-zu-weihnachten-9783832198640/ Als tolle Alternative kann ich euch den Weihnachtskrimi des DUMONT-Verlags vom letzten Jahr empfehlen: "Ein Mord zu Weihnachten" war sehr cosy, spannend und gut unterhaltend.

Alljährlich lädt Benedict Grame Familie, Freunde und Bekannte zum großen Weihnachtsessen auf sein kleines britisches Landgut ein. Im Kreise seiner Lieben inszeniert er ein großes Festtagsspektakel. Dieses Jahr steht auch Mordecai Tremaine auf der Gästeliste. Der ehemalige Tabakhändler mit einer Schwäche für Liebesromane hat sich auch als Hobbydetektiv einen Namen gemacht – und ist vom Privatsekretär des Gastgebers beauftragt worden, die Geladenen im Auge zu behalten. Und tatsächlich: Jedes Mitglied dieser illustren Gesellschaft scheint etwas zu verbergen. Mordecai tastet sich durch ein Netz aus Lügen, Untreue, Erpressung und Verrat. Spätestens als um Mitternacht zwischen den Geschenken unter dem Baum eine Leiche liegt, ist ihm klar: Diese Weihnacht wird alles andere als besinnlich.



Bewertung und mein Fazit

 

Leider ein totaler Reinfall mit zu vielen und zu hölzernen Charakteren, richtig miesen Dialogen und einem Ende, das zusammengeschustert und unbefriedigend war. Eineinhalb Sterne gibt es für die Spannung, welche die Autorin gut rübergebracht hat.



Machen Sie's gut, Chief Inspector Lloyd.


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