Montag, 8. Januar 2018

{Rezension} Die Geheimnisse des schwarzen Turms - Louis Bayard

Die Geheimnisse des schwarzen Turms
Louis Bayard

The Black Tower / übersetzt von Silvia Morawetz 

Historischer Kriminalroman
414 Seiten

Verlag: suhrkamp / insel taschenbuch
Taschenbuch € 9,99
Erscheinungsdatum: 16. April 2012

»Wenn also ein toter Fremder, ein gewisser Monsieur Leblanc, einem einen Titel verleiht, bevor man ihn verdient hat, ist es, hoffe ich, entschuldbar, dass man die Beförderung annimmt. Ja, ich habe es ziemlich genossen, Dr. Carpentier zu sein, wenn auch nur für ein paar Tage. Und wenn ich mir nie zu viele Gedanken übder den anderen Dr. Carpentier gemacht habe ... sehen Sie es mir nach. Sogar mein Vater wollte nichts mit ihm zu tun haben.«



Der Klappentext

 

»Vidocq!« Der Name bringt die Pariser Unterwelt zum Erzittern. Der Chef der Geheimpolizei hat die berüchtigsten Verbrecher hinter Schloß und Riegel gebracht. Nun ist er einem Fall auf der Spur, bei dem das Schicksal ganz Frankreichs auf dem Spiel steht …
Paris 1818: Die Rufe nach Revolution sind längst verklungen, die Bourbonen wieder an der Macht. Doch schon verbreitet sich eine neue Schreckensmeldung: Louis-Charles, Sohn Marie Antoinettes und Ludwigs XVI., der die letzten Monate seines jungen Lebens in einem schwarzen Turm gefangengehalten wurde und schon seit Jahren als tot gilt, scheint wieder unter den Lebenden zu weilen. François Vidocq folgt den Gerüchten durch die dunklen Gassen des Quartier Latin und die verwahrlosten Salons des alten Adels. Ist der einstige Kronprinz tatsächlich noch am Leben?



Meine Meinung

 


Ich gestehe, dass mein erster Leseversuch dieses Romans schwierig war und ich das Buch erst mal für eine Weile beiseitegelegt habe. Man wurde einfach so in das Geschehen hineingeworfen und konnte keinen roten Faden erkennen. Doch beim zweiten Anlauf gab ich Louis Bayard die Zeit, mir diesen Faden an die Hand zu geben und ich wurde mit viel Lesegenuss überrascht!

Der Schreibstil des Autors ist sehr eigen, da der Protagonist der Geschichte - der junge Hector Carpentier - eben seine Sicht der Dinge niederschreibt und den Leser sogar ab und an direkt anspricht.

Die Spannung ist nie so wirklich auf der Höhe, aber dennoch stets unterschwellig präsent. Die Charaktere sind etwas schwer ins Herz zu schließen. Dennoch mochte ich den anfänglichen Charles, der mit seiner kindlichen Art und Hilflosigkeit für einige Überraschungen sorgte, und Hector selbst, der aber nicht in allen Dingen punkten konnte. Ihre Beziehung zueinander war anrührend und trieb mir die ein oder andere Träne in die Augen, sowie das ein oder andere Schmunzeln auf die Lippen.
Vidocq ist ein eigenwilliger Ermittler, der an einen Pariser Sherlock Holmes erinnert, nur weniger gebildet und distinguiert. Und etwas schmutziger... *lach*
Darüber hinaus gibt es noch die kleine Runde im Hause Carpentier, die von Hectors Mutter bewirtet wird, um Geld in die Kassen zu schaffen. Besonders gut gefallen hat mir die Tatsache, dass kein Charakter im Buch unnütz erschien oder als Statist auftrat. Jeder hat seinen Teil zum Plot beigetragen oder wurde wiederverwertet.

Besonders interessant waren die eingestreuten Aufzeichnungen eines Arztes, der einen Gefangenen behandelt und dies bildhaft in seinem Tagebuch festhält. Dabei wurde für einen großen Schock gesorgt, der einige Leser leiden lassen wird. Mich zumindest hat die Erkenntnis mitgenommen.

Die Handlung war anfangs etwas verworren, dröselte sich aber nach und nach auf. Des Öfteren ging mir während des Lesens ein Licht auf und ich konnte Fäden verknoten, noch bevor Hector es schaffte - was ich als sehr befriedigend empfand.

Das Ende ließ mich ein wenig verwirrt zurück, beziehungsweise ließ es mich einige Ereignisse überdenken und in Frage stellen, doch alles in allem hat Louis Bayard einen historischen Krimi geschaffen, den man gerne liest. Ich bin also froh, dass ich dem Autor eine zweite Chance gegeben habe!



Ein paar Worte zum Autor


Louis Bayard arbeitet als freier Autor für The New York TimesWashington Post und Salon. Außerdem hat er mehrere historische Romane verfaßt. Er lebt in Washington, D.C.

 

 

 

 






Bewertung und mein Fazit

 

Eine anfangs verworrene Handlung entwirrt sich mit Hilfe des eigentümlichen Vidocq und seines Helfers in diesem Fall, Hector Carpentier. Man darf miträtseln und über den Schreibstil Hector Carpentiers schmunzeln, der einen in das Geschehen miteinbezieht, wenn man es gar nicht erwartet. Der Roman ist stellenweise düster, dann wieder humorvoll. Eine Mischung, die mir gut gefallen hat.


 

Ein solider Krimi mit interessantem Plot und amüsanten Charakteren!



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